Vorklasse

Mit dem Beginn der Schulpflicht fängt für das Kind eine neue Lebensphase an, welche mit Aufregung und Freude erwartet wird: die Einschulung!

 

In den ersten Wochen und Monaten an der Schule erfährt das Kind, wie es sich in seiner Klasse und in der Schulgemeinde einfinden kann. Es gibt viel Neues aufzunehmen: Die Klassenlehrerin als neue, feste Bezugsperson, die – noch fremden -  Klassenkameraden, der Beginn des Lernens mit Heften und Büchern und auch neue Schul-und Klassenregeln für ein gutes Miteinander.

In dieser Zeit erfährt es auch,

  • ob es Aufgaben genauso gut versteht, wie die anderen Kinder und auch selbständig umsetzen kann.
  • ob die Lösungswege, die es wählt, wirklich hilfreich sind und zum Erfolg führen.
  • ob seine Ausdauer und Motivation bis zum Ende des Schultages ausreicht.

 

Hierfür ist - jenseits des Schulalters - eine entsprechende „Schulreife“ oder „Schulfähigkeit“ nötig. Entscheidend für die Schulreife ist vor allem die Sprachfähigkeit Ihres Kindes. Denn nur mit einem ausreichenden Sprachvermögen, können Kinder denken und sich mitteilen, Aufgaben, Erzählungen und Gespräche verstehen und sich aktiv beteiligen, Lernen und Freunde finden.

 

„Schulreife“ meint aber auch die sozial-emotionale Entwicklung des Kindes:

Es hat noch wenig Interesse am Lernen und ist noch sehr verspielt? Seine Konzentration und Ausdauer reichen noch nicht aus, um in Ruhe und ohne die Hilfe der Lehrkraft eine Aufgabe fertig zu stellen? Diese Fähigkeiten sind jedoch wichtig für das Lernen in der ersten Klasse.

 

Selbständigkeit

  • Selbständiges An-und Ausziehen, auch im Sportunterricht, Schuhe selbst binden, Knöpfe und Reißverschlüsse alleine schließen zu können.
  • Auch einen ganzen Schultag in ungewohntem Lernumfeld ohne Heimweh nach den Eltern und ohne die gewohnte Spielzeit wie im Kindergarten zu bewältigen, erfordert eine gewisse Reife.

 

Feinmotorische Fähigkeiten

  • Fingerbeweglichkeit und Kraft in der Hand
  • der geübte Umgang mit dem Stift, der Schere und dem Kleber bedeuten eine wichtige Voraussetzung, die die Grundlage zum Schreiben lernen im ersten Jahrgang bilden.

 

Für die Kinder mit sprachlichen und weiteren Entwicklungsverzögerungen würden diese Anforderungen schon gleich zu Beginn der Einschulung in die erste Klasse eine starke Überforderung darstellen. Daher gibt es für sie die Möglichkeit, dass sie ein Jahr zurückgestellt und in unsere Vorklasse aufgenommen werden.

Hier können Sie in aller Ruhe die erforderlichen Fähig-und Fertigkeiten in Ihrem Tempo und in einer kleinen Klassenstärke von 10-14 Kindern erlernen. Sie haben somit noch ein Jahr Zeit um ‚nachzureifen‘ und können im Anschluss gestärkter und selbstbewusster in den ersten Jahrgang starten.

 

Die Vorklasse bildet einen geschützten Raum mit einer stetigen Bezugsperson, der Vorklassenleiterin. Statt eines einzelnen Klassenraums haben die Kinder hier zwei großzügige Räume, eine kleine Küche sowie ihre eigene Toilette. Somit erfährt das Kind mehr Platz zum Lernen und Spielen. Der Unterricht wechselt Lern- mit Bewegungs- und Spielphasen ab, um dem noch erhöhten Bewegungsdrang gerecht zu werden.

Der Vorklassenunterricht ist angelehnt an die Unterrichtsbereiche in den ersten Klassen. Zusätzlich hat die Vorklasse derzeit vier Sportstunden in der Woche und eine Musikstunde gemeinsam mit dem ersten Jahrgang.

In den Pausen spielen die Kinder der Vorklasse gemeinsam mit den Kindern der ersten und zweiten Jahrgänge auf dem Schulhof.

Der Unterricht umfasst 20 Unterrichtsstunden in der Woche mit allen Kinder sowie in der Regel zwei Stunden pro Woche für jedes Kind als „Förderstunde“ in der Kleingruppe.

In der Förderstunde werden die Bereiche mit den Kindern erarbeitet, in denen sie noch Unsicherheiten zeigen.

 

Nach einigen Wochen der Beobachtungsphase werden – gemeinsam mit den Eltern individuelle Förderpläne für jedes Kind erstellt. Umfang und Form der schulischen und ggf. außerschulischen Unterstützung wird mit den Eltern besprochen und dokumentiert. Begleitende Gespräche finden bis zum Schuljahresende statt.

 

Die Schwerpunkte der Vorklassenarbeit sind:

 

  • Förderung des phonologischen Bewusstseins (Das „Erhören“ von Sprache in Form von Reimen, Silben und Anlauten, aber auch die Rhythmik und das Volumen der Sprache mit Gesang und Instrumenten.)
  • allgemeine sprachliche Kompetenz.
  • der Umgang mit Zahlen und Mengen, Rhythmus und Gesetzmäßigkeiten.
  • Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit der Sinne.
  • Förderung der Feinmotorik.
  • Förderung der sozialen Kompetenz; Regeln akzeptieren und befolgen, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, respektvolles Miteinander, das Erkennen der Verantwortlichkeit und Stärkung des Selbstbewusstseins.
  • Stärkung der Körpersinne und Lust am Bewegen in der Turnhalle sowie zu allen Jahreszeiten draußen in der Natur und auf dem Spielplatz (Natur-und Sachbegegnung).

 

Die Freude und die Erfolgserlebnisse im Schulalltag der Vorklasse, das eigene und das miteinander Tun und Begreifen vermitteln dem Kind eine positive Einstellung zum Lernen in der Schule. Mit einer gewachsenen Basis und verstärktem Selbstbewusstsein kann es dann im kommenden Jahr in das erste Schuljahr eintreten.

 

Um die noch nicht vollständig ausgereifte Schulfähigkeit frühzeitig erkennen und erfassen zu können, werden verschiedene schulische Maßnahmen durchgeführt, welche vor dem Schuleintritt beginnen und in Zusammenarbeit mit den Kindergärten, der Schulleitung und den Erstklasslehrerinnen stattfinden. 
Die Entscheidung über eine Zurückstellung und welche Fördermaßnahmen das Kind benötigt, werden mit den Eltern im Gespräch mit der Schulleitung erörtert.

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