Lernwerkstatt

Was ist eine Lernwerkstatt?

„Mit dem Begriff der Lernwerkstatt wird ein Lernort innerhalb einer Schule (…) bezeichnet, der durch seine Ausstattung mit Geräten (Werkzeugen) und Materialien es ermöglicht, Lernen als Werken und Wirken, als Produzieren und Gestalten, als Experimentieren und Erproben, als Handeln und Lernen mit allen Sinnen zu realisieren.“ [1]

 

Lernmaterialien für die Lernwerkstatt zeichnen sich dadurch aus, dass sie möglichst alle Sinne ansprechen und handelndes Tun sich nicht vollzieht im Ausfüllen eines weiteren Arbeitsblattes. Dabei werden in der Auseinandersetzung mit einem Thema von den Schülern unterschiedliche Arbeitstechniken angewendet, aber auch verschiedene Formen der Dokumentation und Präsentation der eigenen Lernergebnisse angeregt. Dies kann sowohl in Einzel-, Partner-  oder Gruppenarbeit geschehen.

 

Neugier und Forscherdrang, Problemhandeln und sich wiederholende Aktivitäten verbunden mit genauer Beobachtung sind elementare Erfahrungen, mit denen sich Kinder bereits im Vorschulalter ‚Weltwissen‘ aneignen. Ziel einer Lernwerkstatt ist es, diese Begeisterung und dieses Interesse an Phänomenen aus Naturwissenschaft und Technik in der Grundschule wach zu halten und zu fördern.

 

Eine Lernwerkstatt kann begriffen werden als Chance und Möglichkeit:

 

  • den Regelunterricht auf der Handlungsebene zu ergänzen
  • die Lernfreude und Neugier von Schülern zu wecken
  • naturwissenschaftliche und technische Bildung zu fördern
  • Selbstvertrauen zu stärken und Sprachkompetenz zu erweitern

 

Sie trägt somit auch zur Unterrichts- und Schulentwicklung bei und kann die Teamarbeit im Kollegium fördern.

 

Die Lernwerkstatt der Diesterwegschule


Mit der Lernwerkstatt entwickeln und erproben wir ein in sich abgestimmtes organisatorisches, inhaltliches und pädagogisch/methodisches Konzept für den handlungsorientierten Grundschulunterricht zu Naturwissenschaften und Technik.

 

Das Konzept umfasst die Einrichtung, die Organisation und Logistik des Materials und der Geräte, die Auswahl der angebotenen Themen, den methodischen Rahmen mit Werkstattregeln, Unterrichtsablauf und Entwicklung offener Arbeitsformen, die Vermittlung von weitergehenden Zusammenhängen sowie die Einordnung und Umsetzung des erworbenen Wissens.

 

Die heutige Lernwerkstatt der Diesterwegschule ist im Jahre 2009 aus einem gemeinsamen Projekt unserer Schule mit dem Kinderzentrums ‚Ginnheimer Hohl‘ (ehemals KT 23)  im Rahmen des Projektes „Fliegen Lernen“ entstanden und blickt somit auf eine lange Tradition des entdeckenden Lernens zurück.

 

Sie wurde in einem Raum eingerichtet, welcher zunächst von gemischten Gruppen aus Kita-Kindern, Vorklassen-Schülern und Erstklässlern genutzt wurde. Gemeinsam mit Erzieherinnen und Lehrerinnen wurde beobachtet, gestaunt, erforscht und durchleuchtet, was das Zeug hielt.

 

In der Folgezeit wurde Vieles vom ursprünglichen Konzept beibehalten, aber es gab auch immer wieder Erneuerungen und Wandel aufgrund von personellen und inhaltlichen Veränderungen.

 

Unser heutiges Konzept

 

Die Lernwerkstatt der Diesterwegschule bietet ein vielfältiges Angebot an Experimenten, Werkzeugen, Modellen, Anschauungs- und Arbeitsmitteln. Dabei werden unterschiedliche Bereiche des naturwissenschaftlichen und technischen Lernens abgedeckt und eine Vielfalt an Methoden angewendet:

 

  • So werden zeitweise  Arbeitsinseln aufgebaut, deren Themen wechseln und für die verschiedene Angebote zur Verfügung stehen.
  • Es gibt Bücher mit Anregungen und Versuchsanleitungen.
  • Thematische Versuchskisten, in denen Material und Anleitungen enthalten sind.
  • Vorbereitete Thementische mit bereitgestellte Materialien

 

Alle Materialien und Angebote werden so präsentiert, dass die Kinder eigenaktiv tätig werden können und eine forschend-entdeckende Lernhaltung ermöglicht wird. Die Lernenden können allein oder in der Gruppe einen Versuch auswählen und diesen weitgehend selbstständig bearbeiten oder eigenen Ideen und Forscherfragen nachgehen.

 

Lehrinnen und/oder Erzieher/Innen sind in diesen Phasen als Lernbegleiter tätig, die Fragen der Kinder aufgreifen und Impulse zur Weiterarbeit geben können.

 

Für die Durchführung der Versuche gilt in der Regel ein fester Zeitrahmen. Danach wird von jeder Gruppe eine Kurzpräsentation vorbereitet. In dem so genannten „Forscherrat“ am Ende der Experimentierphase stellen die Gruppen ihre Versuche vor und besprechen die gewonnenen Erkenntnisse oder Vermutungen mit allen.

 

Die Schule versucht jedem Schulkind möglichst 1 Jahr Unterricht in der Lernwerkstatt zu ermöglichen und es gibt auch immer wieder Gelegenheit für Schüler der dritten und vierten Klassen an einer AG am Nachmittag teilzunehmen.

 

Weiterhin besteht eine enge Kooperation mit dem Kinderzentrum Ginnheimer Hohl (ehemalige KT 23). Altersgemischte Gruppen aus Vorschul- und Schulkindern stillen gemeinsam ihre Neugier und ihren Forscherdrang, sie lernen dadurch in vielgestaltigen Situationen Erfolg bringend miteinander und voneinander.

 

Unterstützt wird die Lernwerkstatt  vom Förderverein.

Der Forschungskreislauf (nach Prof. Dr. Brunhilde Marquardt-Mau, Universität Bremen) verdeutlicht die Arbeitsweise und den Ablauf in unserer Lernwerkstatt:

[1] Bönsch, M.: Lernwerkstätten – Anregungsstrukturen und Lernmöglichkeiten, in: Lernwelten 3/1999, S. 103-109

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